Verein Maendeleo - Entwicklungsprojekte im Süd-Kivu, DR Kongo - von Worten zu Taten
Neues aus dem Kongo: Schule


"Ab erstem Januar 2010 ist die Schule im Kongo gratis" - das hörten die Eltern im August im Radio. Aufatmen - "endlich können wir die Kinder ohne Bezahlung zur Schule schicken", hofften die, die noch an den Staat glauben. Die andern blieben skeptisch oder hörten gar nicht erst hin, zu oft haben ihnen die "grandes têtes" das Blaue vom Himmel versprochen und gleich noch den ganzen Regenbogen dazu - nicht nur zur Wahlzeit.
Im Januar muss, so sicher wie das Amen in der Kirche, für die Schule noch immer geblecht werden. Wer sein Kind zur Schule schicken will, zahlt pro Monat - je nach Schule und Schulort - einen bis zwölf (US-) Dollar. Viel Geld, zu viel Geld, in einem Land, in dem vielleicht 5% der Familien eine Arbeit haben, die am Ende des Monats mit einem Lohn abgegolten wird. Selbst Staatsdiener, die jeden Morgen zur Arbeit gehen, erhalten jeden Monat - nix, nada, allenfalls mal eine Prämie, und zu Hause warten 10 Kinder - keine Ausnahme - der Herrgott will's so und die Kirche erst recht. 
Und die Sache ist vertrackt. Lehrer haben mir geklagt, sie kriegten keinen Lohn. Stimmt aber nicht, sie erhalten einen: 30-40 $ pro Monat beim heutigen Kurs. Nicht viel, wenn man weiss, dass ein Kilo Maniokmehl einen halben Dollar kostet, ein Kilo Bohnen einen ganzen - und der Lehrer auch 10 Kinder hat, die er zur Schule schicken möchte.
Rechne: 8 Schulkinder x 3 $ = 24 Dollar, das heisst, auch des Lehrers Kinder bleiben zu Hause. Man spricht hier von der Entschulung einer Nation. Also haben die Schulen und die Lehrer 1992 begonnen Schulgeld zu erheben, mit dem Segen der Regierung, um ihre Saläre um einige Dollar aufzubessern. So wiederholt sich jedes Jahr das gleiche Spiel, besser: das Drama. Der Schulunterricht beginnt Mitte September. In den Klassen sitzen dann 50 oder mehr Kinder. Dann leeren sich  die Reihen mehr und mehr. Jetzt, im Dezember, hat mir ein Kollege gesagt, sitzen in der Klasse eines seiner Kinder gerade noch 5 Schüler, die andern wurden heimgeschickt, da die Eltern die paar Dollars nicht auftreiben konnten. 
In unsrer Schule - der Primarschule Milondola - kommen noch alle, nicht etwa, weil sie alle bezahlt hätten, nein, weil die Schulleiterin die Kinder nicht heimjagen mag. Sie hofft immer noch, dass die Eltern zahlen, oder sie möchte es glauben. Den einen Dollar, den es in Ikoma im Monat kostet, haben bisher keine 10 Prozent bezahlt, die LehrerInnen erhalten 10 Dollar Lohn im Monat, mehr liegt nicht drin. 
Wenn Sie das auch nicht begreifen und weil bald Weihnachten ist: Mit 70 Dollar oder 70 Schweizer Franken, können Sie allen Lehrern von Ikoma eine grosse Freude machen 
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